Hintergrundgedanken

Der Maler Felix Pruner beschäftigt sich mehr oder weniger immer mit dem Experiment, einen Weg zwischen dem Gegenständlichen und dem Abstrakten zu finden und sich für eine der unendlich vielen Lösungsmöglichkeiten zu entscheiden. Im Lauf der Zeit hat er zu Darstellungsformen gefunden, die einen Ausgleich zwischen realer Wirklichkeit und geistiger Abstraktion beinhalten. Bei konzentrierter Betrachtung befindet man sich ebenfalls in einer dieser Mitten, wo sich die beiden Extreme synthetisch verbinden. Man ruht in einem Bereich, der Schutz gewährt, weil Gegensätzliches sich hier nicht mehr bekämpft, sondern vereinigt. Hier findet man den Ausgangspunkt für jene Reise in jenen harmonischen Raum, der verloren geht jenseits des kindlichen Gottvertrauens.

Wenn Malerei so etwas erlauben und ermöglichen soll, muss sie mit Sicherheit gewisse Auflagen erfüllen. Vor allem darf sie nicht langweilig sein. Ständig müssen sich neue reizvolle Aufgaben ergeben und zwar sowohl für den schaffenden Künstler als auch später für den Betrachter des Endprodukts, der vielleicht langsam das neue Medium erkennt als eine Sprache, die wahrhaft vermitteln kann. Und der Künstler muss sehr wohl die Mittel wählen, um eine gelungene Verknüpfung von sinnlich-Realem und geistig-Abstraktem zu erreichen. Es dürfte immer eine verbindende Darstellungsform sein, die auch auf bekannte Elemente früherer Stilrichtungen zurückgreift, etwa des Impressionismus, Kubismus und Expressionismus, und so an sich fremdes miteinander vereinigt zu etwas Neuem. So eine Malerei ist dann keinesfalls statisch und lau, sondern sie inspiriert und aktiviert, da dieses Gleichgewicht, das sich einerseits in der Wahl der benutzten Darstellungselemente, andererseits auch in der Ausgeglichenheit der beiden Extreme Abstraktion und Wirklichkeit äußert, nicht tot und einschläfernd ist, sondern viel mehr labil und in sih pulsierend, um das der Mensch generell immer kämpfen muss, wo er aber die schöpferische Ruhe, inmitten von fremden Dingen, das Urvertrauen des Göttlichen findet. Der gewünschte Zustand ist erreicht, wenn der Mensch durch die Magie der Mitte geschützt wird, wo sich die beiden Extreme in Einheit zusammenschließen.

Felix Pruner bezeichnet seine Arbeiten auch als „profund“ in der doppelten Bedeutung des Wortes, da sie sowohl gründlich in der Ausführung sind und zum anderen auch viele interessante Tiefen zeigen. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren ist seine Malerei eine profunde Variante des Gestisch-Informellen. Überhaupt meint Felix Pruner, dass nur anspruchsvolle Maler auf Dauer und in Zukunft Bestand haben kann – und soll. Denn nur so kann der Stellenwert gegenüber anderen Medien wieder angehoben werden.
A.M.